Die Spezialisierung in der Pflege nimmt weiter zu und eröffnet spannende Perspektiven. Im Brustkrebsmonat Oktober sprechen wir mit Birgit Sickmann und Pia Schücking, Gesundheits- und Krankenpflegerinnen im St. Franziskus-Hospital Münster, die sich zu Breast Care Nurses fortgebildet haben und mit dem multidisziplinären Team der Brustklinik vor allem Brustkrebspatientinnen betreuen.

Breast Care Nurses (BCN) bieten „Kompetenz rund um die Brust“

Auf den Namenschildern, die Birgit Sickmann und Pia Schücking an ihre farbigen Kasacks geheftet haben, steht die Berufsbezeichnung „Pflegeexpertin für Brusterkrankungen“. „Das ist für viele unserer Patientinnen und Patienten viel besser verständlich als der englische Begriff Breast Care Nurse“, erklärt Birgit Sickmann, „und es wird auch sofort deutlich, dass wir über spezielle Kompetenzen rund um das Thema Brust verfügen.“

Sowohl Birgit Sickmann als auch Pia Schücking sind ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegerinnen, die viel Erfahrung in diesem Beruf gesammelt haben, bevor sie die einjährige berufsbegleitende Fortbildung zur Breast Care Nurse absolvierten: Schwester Birgit hat vor ihrer Zeit als BCN onkologische Patienten betreut. Schwester Pia arbeitet seit ihrem Examen auf der gynäkologischen Station. Die beiden teilen sich die BCN-Stelle im Brustzentrum des St. Franziskus-Hospitals. Dabei sei die enge Verzahnung mit der Station ein großer Vorteil, sagt Schwester Pia.

Einjährige BCN-Fortbildung ist ganzheitlich angelegt

Gesundheits- und Krankenpflegerinnen Pia Schücking und Birgit Sickmann haben die Fortbildung zur Breast Care Nurse absolviert.

Dass die Spezialisierung zur Breast Care Nurse ganzheitlich angelegt ist, hat Birgit Sickmann und Pia Schücking besonders überzeugt. „Diese Spezialisierung verbindet medizinisches, pflegerisches und psychologisches Wissen“, führt Schwester Birgit aus. „Wir kümmern uns darum, wie es den Betroffenen insgesamt geht – über die medizinische Diagnose hinaus.“

Beide Gesundheits- und Krankenpflegerinnen konnten die einjährige Fortbildung berufsbegleitend in Bremen absolvieren – gemeinsam mit Pflegenden aus ganz Deutschland. Der Präsenzteil bestand aus sieben Modulen, die jeweils eine Woche dauerten. „Die Themen waren unglaublich vielfältig“, sagt Schwester Pia. „Zuerst wurde natürlich Wissen über die Brust als Organ vermittelt, aber darüber hinaus haben wir uns unter anderem mit Schmerztherapie und Palliativmedizin beschäftigt, wir haben Einblicke in die Psycho-Onkologie erhalten und Gesprächstechniken vertieft, und schließlich ging es auch um die Versorgung mit Brust-Prothesen und medizinischen BHs.“

"Wir kümmern uns darum, wie es den Betroffenen insgesamt geht - über die medizinische Diagnose hinaus."

Birgit Sickmann, Breast Care Nurse, Brustklinik des St. Franziskus-Hospitals Münster

Den Abschluss der Fortbildung bildeten theoretische und mündliche Prüfungen; außerdem musste eine Abschlussarbeit zu einem selbst gewählten Thema angefertigt werden. Dabei beschäftigte sich Birgit Sickmann mit der Frage, wie man mit der Angst der Patientinnen und Patienten umgehen kann. „Als Breast Care Nurses haben wir hauptsächlich mit Krebspatientinnen zu tun – und da spielen psychische Aspekte natürlich eine ganz große Rolle“, erläutert Schwester Birgit. Weil sie das Thema so wichtig findet, hat sie inzwischen privat eine weitere Fortbildung absolviert, diesmal im Bereich Psycho-Onkologie.

„Krebs betrifft den ganzen Menschen – Körper, Geist und Seele“

Breast Care Nurses Birgit Sickmann und Pia Schücking stehen den Patientinnen als persönliche Ansprechpartnerinnen zur Verfügung.

Die meisten Operationen im Brustzentrum des St. Franziskus-Hospitals werden im Zusammenhang mit Krebs-Diagnosen durchgeführt – von der Entfernung eines Karzinoms bis zum Brustaufbau. „Krebs ist eine Erkrankung, die den ganzen Menschen betrifft – Körper, Seele und Geist“, sagt Pia Schücking. Dabei werde die Krankheit von jeder und jedem Betroffenen ganz unterschiedlich wahrgenommen, wobei die individuelle Persönlichkeit eine große Rolle spiele.

„Das Wichtigste für uns ist, jeden Menschen da abzuholen, wo sie oder er gerade steht“, sagt Birgit Sickmann. Die Bedürfnisse seien so verschieden wie die Menschen selbst. „Wir sind dabei, wenn die Frauen sich nach der Operation zum ersten Mal im Spiegel betrachten“, ergänzt Pia Schücking. „Dann hilft es oft schon, wenn wir hinter den Patientinnen stehen und ihnen eine Hand auf die Schulter legen.“

„Der Umgang mit schwierigen Emotionen gehört dazu“

Natürlich hat man als Breast Care Nurse viel mit Patientinnen zu tun, die emotional hoch belastet sind. „Die meisten Patientinnen haben Angst, und bei vielen kommt Trauer, Wut, Verzweiflung und Hilflosigkeit dazu“, erläutert Pia Schücking. „Trotzdem erleben wir in unserem Berufsalltag nicht nur schwere Momente, sondern auch viel Hoffnung, Dankbarkeit und Glück – und immer wieder Situationen, in denen wir mit den Patientinnen auch lachen können.“ Wer die Fortbildung zur Breast Care Nurse anstrebe, müsse aber auf jeden Fall bereit sein, die Patientinnenen mit all ihren Sorgen zu begleiten, sind sich Schwester Birgit und Schwester Pia einig. „Die onkologische Pflege kann manchmal sehr belastend sein, aber es bedeutet mir sehr viel, unsere Krebspatientinnen ein Stück ihres Weges zu begleiten“, sagt Birgit Sickmann.

Vernetzung von Pflege, Medizin und Organisation im Arbeitsalltag

In Pia Schücking oder Birgit Sickmann haben die Patientinnen während ihres stationären Aufenthaltes immer eine persönliche Ansprechpartnerin. Die Breast Care Nurses im St. Franziskus-Hospital arbeiten an der Schnittstelle von Pflege, Medizin und Organisation. Ihr Tagesablauf ist daher sehr abwechslungsreich. Die jeweils diensthabende Breast Care Nurse beginnt ihre Arbeit zum Frühdienst mit der morgendlichen Pflege, zu der auch der Verbandswechsel und die Wundkontrolle gehören. Anschließend ist sie bei der Visite dabei, wo sie als wichtiges Bindeglied zwischen Patientin, Pflege und Medizin fungiert: Sie tauscht sich mit dem ärztlichen Team über die weitere Behandlung aus und steht den Patientinnen als „Sprachrohr“ zur Verfügung, wenn es Nachfragen zu den oft komplexen Abläufen gibt.

Die Breast Care Nurses arbeiten auf der Station und im Brustzentrum.

Von der Station aus geht es dann ins Brustzentrum, wo Birgit Sickmann oder Pia Schücking gemeinsam mit den behandelnden Ärztinnen die Aufnahmegespräche der Patientinnen führen, die am Folgetag operiert werden. „So vermeiden wir doppelte Befragungen und gewinnen gemeinsam einen umfassenden Eindruck der Patientinnen“, erläutert Schwester Birgit.

Einer Brust-OP gehen zahlreiche Voruntersuchungen voraus, die von den Breast Care Nurses koordiniert werden – vom Besuch beim Narkosearzt über die Nuklearmedizin bis zum EKG. Außerdem vermitteln die Pflegeexpertinnen – je nach individuellem Bedarf der Patientin – Kontakte ins umfassende Netzwerk des Brustzentrums. Neben der Psycho-Onkologin gehören dazu sowohl der Klinische Sozialdienst und die Krankengymnastik als auch hilfreiche Hinweise zur Versorgung mit speziellen BHs und zu Herstellern von Perücken, falls eine Chemo-Therapie ansteht.

"In uns Breast Care Nurses haben die Patientinnen während ihres stationären Aufenthaltes immer eine persönliche Ansprechpartnerin."

Pia Schücking, Breast Care Nurse, Brustklinik des St. Franziskus-Hospitals Münster

Auch an den wöchentlich stattfindenden Tumorkonferenzen nehmen Birgit Sickmann oder Pia Schücking teil. Außerdem besuchen die Breast Care Nurses Patientinnen, die bereits vor ihrer Operation eine Chemotherapie benötigen, um über den anstehenden stationären Aufenthalt zu informieren. Dieser erste Kontakt schafft Vertrauen und hilft dabei, eventuell bestehende Ängste abzubauen. Zum Abschluss ihres Arbeitstages nehmen die BCNs nochmals Kontakt zu „ihren“ Patientinnen auf der Station auf und klären eventuell noch offene Fragen.

Die Breast Care Nurses sind immer über den aktuellen Stand der Behandlung informiert.

Zusätzlich haben die Pflegeexpertinnen oftmals auch Kontakt mit den Familien der Betroffenen, die durch die Krankheit häufig ebenfalls stark belastet sind. „Nicht immer können wir trösten, aber manchmal hilft es schon, einfach zur zuzuhören“, sagt Pia Schücking. Was beide Pflegeexpertinnen immer wieder erleben, ist große Dankbarkeit bei den Patientinnen. „Alle freuen sich über die intensive Begleitung in einer schwierigen Lebensphase“, sagt Birgit Sickmann. „Diese Zufriedenheit ist für uns immer wieder eine Bestätigung, dass wir mit unserem Pflegekonzept auf dem richtigen Weg sind.“

Ansprechpartner:

St. Franziskus-Hospital Münster

Brustzentrum

Hohenzollernring 70
48145 Münster

www.sfh-muenster.de