Vom Weltkriegs-Schutzraum zum Archiv

Auf dem Gelände des St. Franziskus-Hospitals wurde im 2. Weltkrieg ein großer überirdischer Bunker gebaut. Nur wenige Besucher des Hospitals wissen, dass dieser Hochbunker noch immer komplett erhalten ist, denn er ist kaum noch sichtbar: Seit den 1980er Jahren wurde er bei verschiedenen Baumaßnahmen am Hospital zuerst verklinkert und dann nach und nach umbaut. Wir haben einige Informationen zur Geschichte dieses ungewöhnlichen Bauwerks zusammengetragen und lassen auch Zeitzeugen aus dem 2. Weltkrieg zu Wort kommen.

Zur Geschichte des Bunkers: Eine Chronologie

Nach dem 2. Weltkrieg und dem Wiederaufbau der Hospital-Gebäude wurde rund um den Bunker Gemüse angebaut. Inzwischen befindet sich hier der Haupteingang des Hospitals.

Als im Krieg die Luftangriffe auf Münster zunehmen, beginnt das NS-Regime 1943 damit, unter dem Einsatz von Kriegsgefangenen einen Bunker auf dem Gelände des St. Franziskus-Hospitals zu bauen.

Das imposante Gebäude mit meterdicken Betonmauern misst schließlich 50 Meter in der Länge und 18 Meter in der Breite und verfügt über fünf Etagen. Bei den verheerenden Bombenangriffen auf Münster in den letzten Kriegsjahren bewährt sich der Bunker viele Male als Schutzraum.

Ehemaliger Haupteingang des Hospitals

Nach dem Krieg hätte die Geschäftsführung des Krankenhauses den Bunker gerne entfernt, aber eine Sprengung hätte die Gebäude in einem weiten Umkreis gefährdet. So stellt man sich auf ein Leben mit dem leerstehenden Bunker ein und versucht, den Anblick erträglicher zu machen, indem man ihn begrünt und schließlich verklinkert (rechts im Bild).

In der Mitte dieser Luftansicht des St. Franziskus-Hospitals ist der weiße Aufbau auf dem verklinkerten Bunker gut zu erkennen.

Als die politische Situation sich im Kalten Krieg wieder zuspitzt, wird der Bunker erneut genutzt:

Von der Bevölkerung nahezu unbemerkt, wird hier durch den Bundesverband für den Selbstschutz eins von bundesweit 23 „voll geschützten Hilfskrankenhäusern“ mit 500 Krankenbetten und zwei Operationssälen eingerichtet, das durch spezielle Schleusen und Luftfilter „atomsicher“ gemacht und bis in die 1990er Jahre hinein technisch aufgerüstet wird. Durch das Zivilschutzgesetz von 1997 entfällt dann aber die Rechtsgrundlage für das Vorhalten von Hilfskrankenhäusern. Der Bunker geht in den Besitz der Stadt über und wird schließlich vom Krankenhausträger übernommen.

Baulich wird das Gebäude immer mehr in den Komplex des St. Franziskus-Hospitals integriert: 1986 fällt die Entscheidung, die notwendigen neuen Bettenstationen auf das Dach des Bunkers zu setzen. Nach komplizierten architektonischen Berechnungen wurden fünf Etagen, gekrönt von einem Hubschrauberlandeplatz, auf den Bunker gebaut. Insgesamt ist das Gebäude nun 32 Meter hoch und bietet herrliche Ausblicke über die Stadt.

Mit dem Bau des FranziskusCarrés wächst das Krankenhaus weiter um den Bunker herum: Die Praxen der niedergelassenen Ärzte und die Räume der Gesundheitsdienstleister umschließen nun den ehemaligen Schutzraum, der inzwischen hauptsächlich als Archiv genutzt wird. Entsprechend kann man heute den Bunker heute nur noch erahnen: Wenn man vor dem Haupteingang des St. Franziskus-Hospitals steht, liegt das Erdgeschoss rechts hinter den umlaufenden Säulen.

Blick vom Hubschrauber-Landeplatz des St. Franziskus-Hospitals

Blick vom Hubschrauber-Landeplatz des St. Franziskus-Hospitals

Zeitzeugen-Berichte aus dem 2. Weltkrieg: Der Franziskus-Bunker in den Annalen der Mauritzer Franziskanerinnen

Im „Echo des Mutterhauses“, einem vom damaligen Direktor der Mauritzer Franziskanerinnen verfassten Rundbrief an die Niederlassungen des Ordens, sind in tagebuchähnlichen Einträgen auch Ereignisse und Erlebnisse aus den Bombennächten in Münster in den letzten Kriegsjahren festgehalten. Hier einige Auszüge:

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