„Frühchen-Versorgung ist Team-Arbeit“

Familie Hussein mit den beiden Frühchen Issa, heute 3 Jahre alt (sitzend, 2.v.l.), und Baby Sarah vertrauen auf das Team der Kinder-Intensivstation am St. Franziskus-Hospital um Chefarzt Dr. med. Thomas Frank (stehend, 2.v.l.) und die Nachsorge durch Cordula van Dyk vom Bunten Kreis Münsterland e.V. (stehend, 1.v.l.)

Familie Hussein mit den beiden Frühchen Issa, heute 3 Jahre alt (sitzend, 2.v.l.), und Baby Sarah vertrauen auf das Team der Kinder-Intensivstation am St. Franziskus-Hospital um Chefarzt Dr. med. Thomas Frank (stehend, 2.v.l.) und die Nachsorge durch Cordula van Dyk vom Bunten Kreis Münsterland e.V. (stehend, 1.v.l.)

Frühchen-Versorgung ist Team-Arbeit: Darauf wies das St. Franziskus-Hospital anlässlich des „Internationalen Welttags der Frühgeborenen“ am 17. November hin. Um den Familien mit Frühgeborenen nach langem stationären Aufenthalt einen guten Start zu Hause zu ermöglichen, arbeitet die Kinder-Intensivstation des Hospitals seit 2006 eng mit dem „Bunten Kreis Münsterland e.V.“ zusammen. „Wir können den Familien Entlastung, Bestärkung und Anleitung geben“, erläutert Cordula van Dyk, eine von fünf speziell ausgebildeten „Nachsorge-Schwestern“ im neonatologischen Team des St. Franziskus-Hospitals. Auch eine Diplom-Psychologin steht für die Unterstützung der Familien zur Verfügung. „Neben der medizinischen und pflegerischen Betreuung ist uns ganz wichtig, die Eltern zu stärken und ihnen zu vermitteln, dass sie mit ihren Sorgen nicht alleingelassen werden“, betont Dr. med. Thomas Frank, Chefarzt der Klinik für Neonatologie und Kinderintensivmedizin am St. Franziskus-Hospital.

Doppelt gute Erfahrung mit Frühchen im St. Franziskus-Hospital

Mohamad Hussein mit den Frühchen Issa (3) und Baby Sarah

Mohamad Hussein mit den Frühchen Issa (3) und Baby Sarah

Für Familie Hussein aus Steinfurt war diese Unterstützung doppelt wichtig: Vor drei Jahren kam ihr Sohn Issa mit 23 Schwangerschaftswochen und einem Geburtsgewicht von nur 490 Gramm per Notkaiserschnitt im St. Franziskus-Hospital zur Welt, und am 10. Oktober 2019 wurde hier die Tochter Sarah geboren – in der 30. Schwangerschaftswoche und mit knapp über 1000 Gramm.

„Sarah kommt uns schon so groß vor“, erzählt Aische Hussein-Said, während ihr Mann Mohamad der Tochter ein Fläschchen gibt und die Söhne Malik (7) und Issa (3) vorsichtig die Hände ihrer kleinen Schwester streicheln. Seit ihrer Geburt hat Sarah fast 800 Gramm zugenommen und ist um 3,5 Zentimeter gewachsen. Groß wirkt sie natürlich vor allem im Vergleich zu ihrem Bruder Issa, dessen Geburtsgewicht unter 500 Gramm lag. „Issas Überlebens-Chancen lagen damals bei 50 Prozent“, erinnert sich Mohamad Hussein, „er wurde acht Wochen lang beatmet und zwölf Wochen lang per Magensonde ernährt.“ Insgesamt verbrachte Issa 16 Wochen auf der Kinderintensivstation des St. Franziskus-Hospitals. Jeden Tag fuhr Mutter Aische von Steinfurt, dem Wohnort der Familie, nach Münster, um möglichst viele Stunden bei ihrem Frühgeborenen zu sein, während sich Mohamad Hussein zu Hause um den älteren Sohn Malik kümmerte. „Das war eine harte Zeit voller Angst“, sagen die Husseins. Heute ist Issa drei Jahre alt und ein echter Wirbelwind. „Er liebt alles, was Räder hat“, lacht Mohamad Hussein, „deshalb sitzt er nicht in seinem Kinderwagen, sondern schiebt ihn!“ „Wir sind froh und dankbar, dass es Issa heute so gut geht – das ist keine Selbstverständlichkeit“, sagt Aische Hussein-Said.

Medizinisch und menschlich bestens versorgt

Auf der Neonatologie werden Herz- und Atemfrequenz sowie die Sauerstoffsättigung im Blut der kleinen Patienten ständig überprüft.

Auf der Neonatologie werden Herz- und Atemfrequenz sowie die Sauerstoffsättigung im Blut der kleinen Patienten ständig überprüft.

Mit der Versorgung auf der Kinderintensivstation des St. Franziskus-Hospitals und der anschließenden Betreuung durch den Bunten Kreis Münsterland e.V. war die Familie sehr zufrieden. In den ersten Wochen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus kam Nachsorgeschwester Cordula van Dyk einmal in der Woche zu den Husseins nach Hause. „Unsere Aufgabe ist es, die Familien nach ihrem langen Aufenthalt auf der Intensivstation beratend und vernetzend zu begleiten“, erläutert Schwester Cordula, „denn der Alltag mit einem Frühchen ist eine große Herausforderung, besonders, wenn noch ältere Geschwister zu versorgen sind.“ In der Klinik sind die Babys rund um die Uhr an einen Monitor angeschlossen, der die Herz- und Atemfrequenz sowie die Sauerstoff-Sättigung im Blut überprüft – zu Hause müssen die Eltern ohne diese Geräte auskommen, was oft zu Verunsicherungen führt. „Wir sind Ansprechpartner für alle Fragen und vermitteln auch Angebote z.B. zur Frühförderung“, sagt Frau van Dyk, die im St. Franziskus-Hospital angestellt und für die Arbeit im Bunten Kreis Münsterland e.V. freigestellt ist. Die Betreuung der Familien wird von den Krankenkassen oder durch Spenden finanziert.

Hilfreicher Austausch unter betroffenen Familien

Beim Kaffeetrinken anlässlich des Weltfrühchentages traf Familie Hussein auch Dipl.-Psychologin Annerieke Diepholz vom Bunten Kreis (Mitte) und Oberärztin Dr. med. Ester Domning aus der Klinik für Neonatologie und Kinderintensivmedizin (re.)

Beim Kaffeetrinken anlässlich des Weltfrühchentages traf Familie Hussein auch Dipl.-Psychologin Annerieke Diepholz vom Bunten Kreis (Mitte) und Oberärztin Dr. med. Ester Domning aus der Klinik für Neonatologie und Kinderintensivmedizin (re.)

„Als klar war, dass auch Sarah zu früh auf die Welt kommen würde, kam für uns kein anderes Krankenhaus in Frage“, betonen die Eltern. In den schwierigsten Zeiten habe ihnen auch der Kontakt zu anderen betroffenen Familien geholfen. Viele von ihnen haben sie am 17. November wiedergesehen: Während sie Sarah auf der Kinder-Intensivstation bestens betreut wussten, konnten sie mit ihren beiden älteren Söhnen am Kaffeetrinken im Marienhaus teilnehmen, das jedes Jahr anlässlich des Weltfrühchentags vom Bunten Kreis und der Kinderklinik des St. Franziskus-Hospitals organisiert wird. Diesmal hatten sich 170 Gäste angekündigt. Während die Eltern bei Kaffee und Kuchen alte Kontakte pflegten und neue knüpften, vergnügten sich die Kinder bei verschiedenen Bewegungs- und Kreativ-Angeboten.

Auch zu Hause nicht allein

Baby Sarah und ihre Mutter kurz vor der Entlassung aus dem St. Franziskus-Hospital

Baby Sarah und ihre Mutter kurz vor der Entlassung aus dem St. Franziskus-Hospital

Inzwischen geht es Sarah so gut, dass sie entlassen werden konnte. Familie Hussein ist froh, dass endlich die ganze Familie wieder zu Hause ist, obwohl es natürlich auch dort anstrengend bleibt: „Man muss auf jeden Fall stark bleiben und immer versuchen, das Beste daraus zu machen.“ Dabei wird ihnen auch dieses Mal der Bunte Kreis Münsterland e.V. helfen. Eine der „Brücken-Bauerinnen“ zwischen dem St. Franziskus-Hospital und der häuslichen Umgebung ist Diplom-Psychologin Annerieke Diepholz, die seit 2015 den „Elterntreff“ auf der Kinder-Intensivstation betreut und seit 2018 jede Woche vor Ort ist, um Familien mit frühgeborenen oder kranken Kindern psychologisch zu begleiten.

Psychologische Beratung stabilisiert die Eltern und Familien

Dipl.-Psychologin Annerieke Diepholz vom Bunten Kreis Münsterland e.V. betreut die Familien mit Frühchen beim Übergang von der Klinik nach zu Hause.

Dipl.-Psychologin Annerieke Diepholz vom Bunten Kreis Münsterland e.V. betreut die Familien mit Frühchen beim Übergang von der Klinik nach zu Hause.

„Wir haben dieses Angebot aufgebaut, als wir eine Versorgungslücke in der Familienberatung festgestellt haben“, erläutert die Diplom-Psychologin. Die Gesundheit und Entwicklung der Kinder habe man schon immer gut im Blick gehabt, weniger aber die psychische und körperliche Stabilität der Eltern und der Familie. „Familien mit kranken Kindern leiden häufig unter chronischem Stress und einer hohen Alltagsbelastung – da bleibt den Eltern oft zu wenig Zeit für sich selbst und für die Geschwisterkinder“, erläutert Annerieke Diepholz. Inzwischen sei die Diagnose „krankes Kind“ als hoher Risikofaktor erkannt worden – für die psychische Stabilität der Eltern und damit auch für die Paarbeziehung und die gesamte Familiensituation. Oft werde der gesamte Lebensentwurf der Eltern in Frage gestellt und die Grenzen der Belastbarkeit überschritten. „Viele Eltern entwickeln auch Schuldgefühle, wenn sie überfordert sind oder es ihnen nicht sofort gelingt, eine Beziehung zu ihrem Frühchen aufzubauen“, berichtet die Diplom-Psychologin, „dabei ist das völlig normal.“ Im Rahmen des psychologischen Beratungsangebotes außerhalb der Familie über diese Themen und Gefühle sprechen zu können, bedeute eine wichtige Entlastung für die Eltern. „Die Geburt eines Frühchens und die Zeit auf der Intensivstation wird von den Eltern als krisenhafte Zeit erlebt und bringt viel Verunsicherung mit sich“, sagt Annerieke Diepholz. „Nach diesem schwierigen Start gibt der Bunte Kreis den Familien mehr Sicherheit und Stabilität beim Übergang vom Hospital in den Alltag zu Hause.“ Neben der psychischen und emotionalen Betreuung leistet das Team des Bunten Kreises dabei auch ganz praktische Hilfe, zum Beispiel im Kontakt mit Behörden oder bei der Vermittlung individueller weiterer Angebote aus dem großen Netzwerk möglicher familialer Unterstützung.

„Ich habe einen Riesenrespekt vor Familien mit frühgeborenen und kranken Kindern – vor ihrem unermüdlichen Einsatz genauso wie vor den Entwicklungsschritten, die sie sich ermöglichen.“

Dipl.-Psychologin Annerieke Diepholz, Bunter Kreis Münsterland e.V.

Ansprechpartner:

Chefarzt Dr. med. Thomas Frank (re.) und Oberärztin Dr. med. Meike Franssen

Neonatologie und Kinderintensivmedizin
Hohenzollernring 70
48 145 Münster

Tel:  0251 935-3926
Fax: 0251 935-4073

Zur Webseite

Cordula van Dyk, Nachsorge-Schwester
Annerieke Diepholz, Dipl.-Psychologin

Bunter Kreis Münsterland e.V.
Geschäftsstelle:
Poststraße 5
48653 Coesfeld

Tel. 02541.89-1500
info@bunter-kreis-muensterland.de