Dr. Florian Schneider engagiert sich am Edulen Hospital in Tansania

Vor mehr als zehn Jahren betrat Dr. Florian Schneider zum ersten Mal das Krankenhaus in Endulen, einem kleinen Ort in Tansania – damals im Rahmen eines Freiwilligendienstes. Seither engagiert sich der Assistenzarzt aus der Kinderklinik des St. Franziskus-Hospitals Münster ehrenamtlich dafür, die medizinische Versorgung der dort lebenden Massai zu verbessern.

„Trage es im Herzen mit“: „Endulen e.V.“ bringt medizinische Hilfe aus Deutschland nach Tansania

Die Massai leben im Ngorongoro-Naturschutzgebiet in Tansania.

Die Massai leben im Ngorongoro-Naturschutzgebiet in Tansania.

Endulen ist ein kleines Dorf im Norden Tansanias inmitten des Ngorongoro-Naturschutzgebiets. Von der Zivilisation und dem technischen Fortschritt völlig abgeschieden, lebt hier der Nomadenstamm der Massai. Das einzig befestigte Gebäude dieser Gegend ist das 72-Betten-Krankenhaus Endulen Hospital, das für die medizinische Versorgung von rund 80.000 Menschen zuständig ist. Um diese Versorgung zu verbessern, gründete Dr. Florian Schneider mit einigen Freunden und Bekannten im Jahr 2008 den Verein „Endulen e.V. – Trage es im Herzen mit“. Damit die medizinische Hilfe des Vereins überhaupt ankommen konnte, mussten zuerst ganz andere, grundlegende Probleme in Endulen gelöst werden. So gab es dort bis vor vier Jahren nicht einmal zuverlässig rund um die Uhr fließendes Wasser und Strom. Mit Hilfe des „Endulen e.V.“ konnte eine Wasserpumpe angeschafft und die Solaranlage ausgebaut werden. Seither geht es darum, die medizinische Ausstattung und gesundheitliche Praxis vor Ort zu verbessern. Dazu gehört auch intensive Aufklärungs- und Präventionsarbeit.

Von der Mutter-Kind-Gesundheit zur Familiengesundheit für die Massai

Dr. Florian Schneider (Mitte) im Endulen Hospital.

Dr. Florian Schneider (Mitte) im Endulen Hospital.

Für Dr. Schneider und die anderen Mitglieder des „Endulen e.V.“, die aus Deutschland zum Einsatz nach Tansania reisen, ist die Förderung der Mutter-Kind-Gesundheit in Endulen ein zentrales Thema. Durch regelmäßige Workshops mit den Massai-Hebammen konnten sie die Komplikationsrate bei Geburten bereits deutlich senken. Auch in den Schulen vor Ort sind die deutschen Mediziner aktiv. „Wir suchen das Gespräch mit Mädchen und jungen Frauen, denn viele von ihnen können nicht zum Unterricht kommen, wenn sie ihre Periode haben – weniger aus kulturellen denn aus hygienischen Gründen“, sagt Dr. Schneider. Um ihnen auch während ihrer Menstruation den Schulbesuch zu ermöglichen, hat der Verein wiederverwendbare Hygieneprodukte von lokalen Anbietern produzieren lassen. Außerdem sprechen die Ehrenamtlichen mit jungen Frauen und Männern darüber, was es beim Thema Familiengründung gesundheitlich zu beachten gilt. „Unser großes Ziel für die nächsten Jahre ist es, den Schritt von der Mutter-Kind-Gesundheit zur Familiengesundheit zu machen“, erläutert Dr. Schneider. „Dabei wollen wir auch die jungen Männer mit in den Blick nehmen und die gesamte zukünftige Familie von der Bildung über Prävention bis hin zur Ernährung begleiten.“

„Ich finde, dass man Anderen auch etwas zurückgeben kann, jeder nach seinen Fähigkeiten – ob im Sportverein, einer Kirchengemeinde, einer kulturellen Einrichtung oder eben in der Entwicklungsarbeit.“

Dr. Florian Schneider, Assistenzarzt der Kinderklinik im St. Franziskus-Hospital Münster

Vollzeitjob plus Ehrenamt: Unterstützung am St. Franziskus-Hospital

Dr. Florian Schneider arbeitet als Assistenzarzt in der Kinderklinik des St. Franziskus-Hospitals Münster.

Normalerweise macht sich Dr. Schneider zweimal im Jahr auf den Weg nach Tansania. Corona-bedingt fand seine bisher letzte Reise im März 2020 statt. In Endulen ist er der einzige Arzt, der speziell für die Behandlung von Kindern ausgebildet ist. Sein Wissen zum Thema Kindergesundheit gibt er in Workshops weiter, in denen er auch aktuelle Entwicklungen mit den Ärztinnen, Ärzten und Pflegenden vor Ort diskutiert. Dabei kommt es nicht selten vor, dass er mitten aus einem Workshop direkt in den Operationssaal des Endulen Hospital gerufen wird, um dort seine Kollegen und Kolleginnen zu unterstützen. Deutlich planbarer gestaltet sich der Alltag des 32-Jährigen zu Hause in Deutschland: Dr. Schneider arbeitet auf der Kinderintensivstation des St. Franziskus-Hospitals und wird auf seinem Weg zum Facharzt für Kinderheilkunde demnächst die Assistenzarzt-Prüfung ablegen.

Seine ehrenamtliche Arbeit für den „Endulen e.V.“ leistet Dr. Schneider neben seinem Vollzeitjob im Krankenhaus. „Zwischen vier und zehn Stunden bin ich jede Woche mit der Vereinsarbeit beschäftigt“, sagt der Assistenzarzt. Zusätzlich betreibt er auch noch gesundheitliche Aufklärungsarbeit für Freiwillige, die einen Dienst im Ausland verrichten möchten. Für all das Zeit zu finden, ist nicht immer leicht – und die Unterstützung aus dem Umfeld nicht selbstverständlich. „Ich bin meinen Kollegen und Vorgesetzten in der Kinderklinik des St. Franziskus-Hospitals super dankbar, dass sie das alles so mitmachen und mir mein großes Engagement ermöglichen“, betont Dr. Schneider, der ein großer Befürworter ehrenamtlichen Engagements ist. „Uns geht es hier in Deutschland wirklich gut“, meint er. „Ich finde, dass man Anderen auch etwas zurückgeben kann, jeder nach seinen Fähigkeiten – ob im Sportverein, einer Kirchengemeinde, einer kulturellen Einrichtung oder eben in der Entwicklungsarbeit.“

Gemeinsame Projekte mit den Massai, finanziert durch Spenden und Fördermittel

Der Endulen e.V. organisiert medizinische Hilfe für die Massai - mit den Massai.

Der Endulen e.V. organisiert medizinische Hilfe für die Massai – mit den Massai.

Alle Projekte des „Endulen e.V.“ werden gemeinsam mit den Massai entwickelt und umgesetzt, betont Dr. Schneider. „Die Ideen werden nicht von den deutschen Freiwilligen eingebracht, sondern von den Tansanern selbst, denn es geht nicht darum, ihnen unsere Ansichten aufzuzwingen“, erläutert er. Finanziert werden die Aktivitäten des Vereins durch Fördermittel und Spenden. So konnte dank der Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bereits ein Röntgengerät für das Endulen Hospital angeschafft werden; auch die Fördermittel, die für ein Sonographie-Gerät verwendet werden sollen, wurden inzwischen bewilligt.

Bereits seit einigen Jahren weise die Arbeit des Vereins auch über das Endulen Hospital hinaus, sagt Dr. Schneider. „Wir freuen uns sehr, dass mittlerweile aus dem ganzen Land Projekte an uns herangetragen werden.“ So unterstützt der Verein seit einiger Zeit auch junge Erwachsene in Tansania, die ein Medizin-Studium beginnen möchten, aber nicht über das nötige Geld verfügen. Sieben Stipendien wurden bereits durch Spenden finanziert. Insgesamt beläuft sich die Summer der Spendengelder, die der Verein für seine Arbeit in Tansania gesammelt hat, inzwischen auf mehr als eine halbe Millionen Euro. Zu den Unterstützern des Vereins zählt auch das Bistum Münster.

Corona-Krise in Endulen: Aktueller Spendenaufruf

Die Arbeit des „Endulen e.V.“ in Tansania ist aufgrund der Corona-Pandemie noch wichtiger geworden – und gleichzeitig viel schwieriger. Deshalb hat der Verein einen Spendenaufruf an seine Mitglieder versandt, den wir hier gerne zitieren:

„Liebe Vereinsmitglieder, liebe Spender, liebe Unterstützende, 

wir hoffen, Sie kommen durch diese besondere Zeit der Covid-19 Pandemie. In den letzten Jahren konnten wir durch Ihre Unterstützung die medizinische Versorgung am Endulen Hospital deutlich verbessern.

Endulen ist von Covid-19 (noch) nicht schlimm betroffen, das heißt, es gibt bislang wenig erkrankte Patienten. Allerdings hat Corona andere Auswirkungen auf das Endulen Hospital. Das Endulen Hospital liegt in der Ngorongoro Conservation Area (Nationalpark) im Norden Tanzanias und wurde von der Ngorongoro Conservation Area Authority (NCAA) bislang finanziell unterstützt. 

Allerdings hat die NCAA Anfang Juni verkündet, die komplette finanzielle Unterstützung mit sofortiger Wirkung für die nächsten 12 Monate auszusetzen. So fehlen dem Krankenhaus nach eigenen Angaben ca. 15.000 Euro pro Monat u.a. für Gehälter, Behandlungen, Medikamente und Patientenessen. 

Wir konnten in Absprache mit österreichischen, deutschen und niederländischen Hilfsorganisationen ein großes Hilfspaket schnüren. Wichtig war uns vor allem, dass die Unterstützung schnell, koordiniert und mit gegenseitigem Einvernehmen geschieht.

Endulen e.V. hat sich dazu entschlossen, in den nächsten 6 Monaten jeweils 3.000.000 TSH (circa 1.200 Euro) pro Monat für Patientenessen zur Verfügung zu stellen. Die NCAA untersagt Landwirtschaft in der Region, sodass das Essen größtenteils vom Krankenhaus bereitgestellt wird. Der dafür benötigte bzw. beantragte Betrag liegt bei 4.332.800 TSH (circa 1.700 Euro) pro Monat. Wir finanzieren vor allem den Teil für unter- oder mangelernährte Kinder, für Schwangere, für Neugeborene, für chronisch Kranke oder für Patienten auf der Intensivstation. 

Mit einem Betrag von 1 Euro pro Tag können Sie 1 Patienten/in pro Tag das Patientenessen finanzieren und somit vor allem den akut oder chronisch schwer erkrankten Patienten/innen helfen. Für 75 Euro pro Tag können Sie helfen, dass das Endulen Hospital 1 Tag alle bedürftigen Patienten/innen versorgen kann. 

Je mehr Sie uns mit Ihrer Spende unterstützen, desto besser können wir dem Endulen Hospital in dieser schwierigen Lage helfen und ggf. die Hilfsaktion auch über die 6 Monate verlängern. 

Ihre Spende rettet Leben. 

Konto: Endulen e.V.
IBAN: DE43 3706 0193 4006 2200 16
BIC/ SWIFT: GENODEF1PAX
Spendenzweck: COVID-19

Wir danken Ihnen für Ihre jahrelange treue Unterstützung und hoffen, dass wir die aktuelle Krise gemeinsam bewältigen können. 

Bei Fragen dürfen Sie sich gerne bei uns melden: vorstand@endulen.de.

Herzliche Grüße und bleiben Sie gesund, 

Ihr Vorstand des Endulen e.V. Philipp, Judith, Patricia, Anna-Marie & Florian“

Ansprechpartner:

St. Franziskus-Hospital Münster

Dr. Florian Schneider

Hohenzollernring 70
48145 Münster

www.sfh-muenster.de

Endulen e.V. – Trage es im Herzen mit
www.endulen.de
info@endulen.de